Slide background

Weidener Hütte | Familie Thomas Hussl | A-6133 Weerberg | Tel: +43 (0)676 7395997 | Mail: info [at] weidenerhuette.at

Slide background

Weidener Hütte | Familie Thomas Hussl | A-6133 Weerberg | Tel: +43 (0)676 7395997 | Mail: info [at] weidenerhuette.at

Slide background

Weidener Hütte | Familie Thomas Hussl | A-6133 Weerberg | Tel: +43 (0)676 7395997 | Mail: info [at] weidenerhuette.at

Sherpa-Projekt auf der Weidener Hütte

pasang 1

Auf den Berghütten in Tirol lernen Sherpas, worauf es beim Tourismus ankommt, um später Lodges in ihrer Heimat zu betreiben. So auch auf der Weidener Hütte in der Silberregion Karwendel in Tirol.

Die Tiroler Berge müssen für Pasang Onchu Lama eigentlich ein Witz sein. Er kommt aus dem Bezirk Solukhumbu in Nepal – der höchste Punkt dort ist auch der höchste der Erde: Der Mount Everest , 8.848 m über dem Meeresspiegel, der für die Nepalesen heilige Berg „Sagarmatha“. Pasang steht in der Küche der Weidener Hütte auf 1.799 m in den Tuxer Alpen und hilft beim Kochen. Der 29jährige arbeitet bereits das vierte Jahr hier, macht in Sommer- und Wintersaison so ziemlich alles, was anfällt: Kochen, Spülen, Putzen, wofür man ihn eben gerade braucht. Gleichzeitig soll er noch etwas darüber lernen, wie die Hütten in Tirol bewirtschaftet werden, über Vorratshaltung, Nachhaltigkeit und den Umgang mit Touristen, um gegebenenfalls in seiner Heimat einmal eine Lodge zu eröffnen oder als Fremdenführer zu arbeiten. „Eigentlich ist hier so ziemlich alles anders“, sagt Pasang, „aber ich fühle mich hier wohler als in Nepal.“

Pasang Onchu Lama gehört zum Volk der Sherpa. In seiner Heimat hat er als Lehrer und gelegentlicher Trekkingführer gearbeitet und ist durch ein Projekt nach Österreich gekommen, das der Verein Nepalhilfe Tirol 2005 ins Leben gerufen hat. Am Anfang standen informelle persönliche Kontakte: Wolfgang Nairz, der Leiter des Projekts, kannte Nepal von Bergtouren und wollte den Menschen helfen, die er dort kennengelernt hatte. Es gab auch damals schon vereinzelt Sherpas, die auf Hütten in Österreich gearbeitet haben, „allerdings haben die Wirte das selbst organisiert, was bei der ganzen Bürokratie eine Herausforderung war“. Das Projekt hat klein begonnen, als Kooperation von ein paar Wirten in Tirol. Dieses Jahr werden es voraussichtlich 30 Nepalesen sein, die auf verschiedenen Hütten in Tirol untergebracht werden. Beworben haben sich mehr als zehnmal so viele.

Pasang

Auch Pasang ist wieder dabei. Er ist im vergangenen Dezember schon zum siebten Mal für eine Saison nach Österreich gekommen. Im Frühjahr und Herbst, in den Pausen zwischen Winter- und Sommersaison, fliegt er nach Nepal, nach Hause. „Aber eigentlich habe ich viel mehr Heimweh nach Österreich“, sagt er. Er hat ein herzliches Verhältnis zu Thomas Hussl, den Wirt der Weidener Hütte, und zu dessen Familie. „Er gehört einfach mit dazu“, sagt Hussl. Im Winter reist Pasang immer schon ein paar Tage früher an, um die Weihnachtstage mit der Familie Hussl zu verbringen.

Es gibt feste Regeln dafür, wer am Sherpa-Projekt teilnehmen kann: Nur Nepalesen, die die in ihrer Heimat schon mit Touristen arbeiten, also beispielsweise als Trekkingführer oder in einer Lodge, dürfen auf eine Hütte in Tirol. Außerdem achtet Nairz darauf, dass genügend Frauen eine Chance bekommen – damit auch sie Fertigkeiten lernen, die ihnen nach ihrer Rückkehr in eines der ärmsten Länder der Welt nutzen. Das Konzept scheint aufzugehen: „Man merkt das sofort, wenn man in Nepal in eine Hütte kommt, die von einem Sherpa aus unserem Projekt bewirtschaftet wird“, sagt Wolfgang Nairz. „Da liegt zum Beispiel nirgends Müll herum. Und im Umgang mit den Trekkingurlaubern hilft es den Sherpas, wenn sie schon einmal in Europa gearbeitet haben.“

Pasang

„Am Anfang hat mir vor allem die Sprache Probleme gemacht“, sagt Pasang. Englisch- und Deutschkenntnisse sind Pflicht für die Teilnahme am Sherpa-Projekt, trotzdem fällt die Kommunikation vielen am Anfang nicht ganz leicht. Inzwischen kann er schon ein bisschen Deutsch – genug, um mit den Gästen zu sprechen. Und auch sonst scheint er sich gut eingelebt zu haben: Auf die Frage, ob es in Tirol etwas gibt, das ihm Schwierigkeiten bereitet, will im partout keine Antwort einfallen. Nicht nur reiche das hier verdiente Geld, um auch noch seine Eltern und Geschwister in Nepal zu versorgen. Im gefällt auch das Wetter besser und die Mentalität der Menschen: „Hier arbeitet man hart, genießt dann aber auch seine Ferien.“ Am liebsten wäre es ihm deshalb, gleich ganz in Österreich zu bleiben.

Daran hindern ihn allerdings die Einreisebestimmungen. Es ist schon nicht ganz einfach, einen Nepalesen, als Saisonarbeiter nach Tirol zu bekommen: Wie viele das tun können, hängt von dem Kontingent ab, das der österreichische Arbeitsmarktservice jährlich festlegt. Im Jahr 2012 musste das Projekt pausieren, weil das Kontingent deutlich niedriger ausfiel als in den Jahren zuvor. Um den Hüttenpraktikanten die Einreise zu ermöglichen, muss Wolfgang Nairz außerdem jedem eine Einladung schicken und die finanzielle Verantwortung übernehmen.

Hüttenwirt Thomas Hussl bezahlt Pasang den Flug und rund 1.300 Euro im Monat – das sei etwa zehnmal so viel, wie er in Nepal als Lehrer und gelegentlicher Trekkingführer verdient habe. Pasang hat von dem Geld, das er sich zusammengespart hat, inzwischen ein Haus in Nepal gebaut. Aber auch der Wirt profitiert von dem Projekt, denn unter den Einheimischen findet sich kaum jemand, der zu diesen Arbeiten bereit ist: „Wer auf einer Berghütte arbeitet, muss auf vieles verzichten“, weiß Thomas Hussl. Abends mal kurz ins Kino zu gehen oder sich mit Freunden zu treffen, das sei oft einfach nicht drin. Vor Pasang hat schon ein anderer Nepalese bei ihm gearbeitet. Auch mit ihm war er sehr zufrieden: „Ich habe noch nie so fleißige und pflichtbewusste Menschen erlebt.“ Und auch auf seiner Speisekarte steht jetzt neben Cordon Bleu und Kaiserschmarrn auch ein nepalesischer Eintopf „nach Sherpa-Art“. 

Pasang

Inzwischen ist die Wintersaison auf der Weidener Hütte beendet, Pasang verbringt wieder ein paar Wochen in Nepal, - voraussichtlich bis Mai, wenn die Sommersaison beginnt, wird er sich nach den kleinen Bergen in Österreich sehnen.


(Pressebericht von Michael Feistl in "Der Neue Tag" im April 2013)

Unsere Partner

Silberregion Karwendel
Mountain Splash
Robert Winderl